urban life

Eröffnung am 9. März 2017:
Einladung Urban Life 2017 – download

Martin Veigl (A) Malerei und Groß / Fiand (D) Skulpturen


Kristina Fand, Ernst Groß

Kristina Fiand arbeitet schon seit etlichen Jahren unter anderem an einer äußerst beliebten Serie. “Edeka Frauen”, heißt diese schlicht. Wie es dazu kam?
 “Früher hatten wir neben unserem Haus einen Edeka. Ich habe die Frauen beobachtet, die auf dem Weg zum Einkaufen an unserem Küchenfenster vorbei spaziert sind. Das hat mich wahnsinnig inspiriert, weil sie alle irgendwie besonders aussahen. Mit Lockenwicklern, und so.” Kurzerhand fertigte Kristina Fiand die erste Edeka-Frau an. Mit wenigen, dann wieder vielen Schnitten in die weiche Linde haucht Fiand ihren Damen Authentizität ein, so, als sollten Sie pinocciogleich zum Leben erwachen und los -stapfen, wären sie nicht diesem vermaledeitem Holzblock verwachsen. Die Protagonistinnen des dörflichen Einkaufseldorados schmollen, lächeln, verführen, platzen vor Wut, sind in sich gekehrt, kaufsüchtig, realistisch, sehr realistisch, lebensfroh, sie sind voller Energie oder erschöpft. Nichts, was es nicht gäbe. Fast stadtgleich.

Für Ernst Groß und Kristina Fiand hat Kunst immer eine gewisse Relevanz und Tiefe. Beide stecken viel ihrer Persönlichkeit in ihre Werke. “Kunst muss immer einen Bezug zur Gegenwart haben,” erklärt Ernst Groß. “Und der Zuschauer muss diesen Bezug auch herstellen können.”
 So ist seine Auto-Serie gespickt mit Seitenhieben auf die Konsumgesellschaft oder greift Themen wie den Klimawandel mit einem Augenzwinkern auf. Selbst die Edeka-Frauen sind immer ein Spiegelbild der Zeit, in denen sie entstanden sind. “Während der Euro-Krise haben meine Edeka-Frauen zum Beispiel nur ganz wenig eingekauft”, sagt Kristina Fiand. In einem der mit Sägespäne gespickten Arbeitsräume arbeitet sie gerade an einer Edeka-Frau, die ein Donald-Trump-Furzkissen in den Händen hält. Politisch, aktuell und mit einer ordentlichen Prise Humor.

Michael Veigl

Martin Veigl, 1988 in Steyr geboren, beschreibt in seiner Malerei die großstädtische Lebenssituation und hinterfragt die Rollenbilder unserer heutigen Gesellschaft. Mit fotografischen Blick, ausschnitthaft, schnappschussartig, emotionslos, fängt er die hektische Mobilität der Stadtmenschen ein, hält das rege Treiben für einen Augenblick an. In der malerischen Umsetzung kombiniert er souverän exakt ausgearbeitete Details mit frei gestalteten Partien, bei denen die Gestik des Pinselstrichs sichtbar bleibt, die Farbe ihre Rinnsale hinterlässt und unbemalte Leinwandstellen in die Gesamtwirkung integriert werden. Sowohl in der malerischen Umsetzung als auch in der koloristischen Auswahl hat der junge Maler, der zunächst Bildnerische Erziehung an der Kunstuniversität in Linz und seit 2012 an der Universität für angewandte Kunst in Wien Malerei bei Johanna Kandl und Gerhard Müller studiert, bereits seine eigenständige Handschrift und Bildsprache entwickelt.

Seit mehreren Jahren arbeitet Martin Veigl an einer größeren Werkgruppe, die er unprätentiös unter dem Begriff„urban theater“ zusammenfasst. Er setzt sich mit einem Motiv auseinander, welches in unserem Alltag eine enorme Präsenz hat. Bilder werden in unterschiedlicher medialer Ausdrucksweise generiert. Sie durchdringen den Alltag und prägen so entscheidend unsere Vorstellung von der Wirklichkeit. Mit Bildern aus dem urbanen Raum sind wir dauernd konfrontiert: Bahnhöfe, Haltestellen, Geschäfte, Straßen. Die Stadt existiert in unserer Vorstellung als Gefüge von determinierten Zeichen. Martin Veigl lotet das Spannungsfeld zwischen einer selbstreflexiven malerischen Praxis und einer Malerei, welche einer Dokumentationsfunktion verpflichtet ist, neu aus; Grenzen werden ausgereizt, um ein Bild zwischen den beiden Ausprägungen fluktuieren zu lassen. Diese Malerei zielt weder auf die Abbildung einer topografischen Wirklichkeit, noch auf den Ausdruck persönlicher Gefühle oder Empfindungen. Vielmehr beharren sie auf ihrer eigenen Visualität, von der nichts Erzählerisches ablenkt. Veigls Perspektiven der Urbanität beleuchten facettenreich und entziehen sich einer schnellen Sinnstiftung. Sie stellen Fragen der Wahrnehmung, provozieren ein assoziierendes, das Sichtbare fortsetzende Sehen. ( Auszug: Katalog Martin Veigl, urban theatre, 2016.)