Goodbye Paradise
20.04.20 – 15.04.20

Die Künstler Fiand & Groß und Dellamartina widmen sich in der gemeinsamen Ausstellung dem merkbaren Klimawandel, der in seiner Dimension die Spitze eines bedrohlichen Eisbergs sichtbar werden lässt. Die neueste Serie der Edekafrauen zeigen mit Ihrem Einkauf ein Statement zu diesem prekären Thema genauso wie Dellamartinas schwindende Gletscherdarstellungen. Im Zuge des Klimawandels schmelzen in den Hochgebirgen die Gletscher stark ab. Dabei gehen einmalige Landschaften verloren, die der Künstler in seinen Bergbildern, teils  in  Polaroid-Rahmen versucht festzuhalten. Dellamartinas teils großformatige Landschaften zeugen einmal mehr von dem Paradise auf Erden, daß zu schwinden droht.

Während die junge Generation sich freitags auf den Straßen engagiert, bewegen sich die Älteren im Spannungsfeld zwischen anerzogener Konsumhörigkeit und unbequemer Aufbruchsstimmung mit Verzichtmantras für den Erhalt des Planeten.

Kristina Fiands Figuren der neuesten Serie der Edekafrauen wappnen sich für eine globale Krise. Diese multikulturelle Frauengruppe verkörpert den Schwebezustand zwischen Überlebensvorsorge und Rückbesinnung auf vorhandene Werte und Fähigkeiten.

Die Holzbildhauer Kristina Fiand und Ernst Groß

Kristina Fiand arbeitet schon seit etlichen Jahren unter anderem an einer äußerst beliebten Serie. „Edeka Frauen„, heißt diese schlicht. Wie es dazu kam?
„Früher hatten wir neben unserem Haus einen Edeka. Ich habe die Frauen beobachtet, die auf dem Weg zum Einkaufen an unserem Küchenfenster vorbei spaziert sind. Das hat mich wahnsinnig inspiriert, weil sie alle irgendwie besonders aussahen. Mit Lockenwicklern, und so.“ Kurzerhand fertigte Kristina Fiand die erste Edeka-Frau an. Mit wenigen, dann wieder vielen Schnitten in die weiche Linde haucht Fiand ihren Damen Authentizität ein, so, als sollten Sie pinocciogleich zum Leben erwachen und los -stapfen, wären sie nicht diesem vermaledeitem Holzblock verwachsen.

Die Protagonistinnen des dörflichen Einkaufseldorados schmollen, lächeln, verführen, platzen vor Wut, sind in sich gekehrt, kaufsüchtig, realistisch, sehr realistisch, lebensfroh, sie sind voller Energie und erschöpft. Nichts, was es nicht gäbe. Fast stadtgleich. Und das alles durch die Macht Fiands unterschiedlich zu schöpfen, in diesem Fall mit dem Schnitzmesser Leben zu verteilen, ebenso unterschiedlich wie wir als Menschen sind.

Für Ernst Groß und Kristina Fiand hat Kunst immer eine gewisse Relevanz und Tiefe. Beide stecken viel ihrer Persönlichkeit in ihre Werke. „Kunst muss immer einen Bezug zur Gegenwart haben,“ erklärt Ernst Groß.“Und der Zuschauer muss diesen Bezug auch herstellen können.“

So ist seine Auto-Serie gespickt mit Seitenhieben auf die Konsumgesellschaft oder greift Themen wie den Klimawandel mit einem Augenzwinkern auf. Autoskulpturen von Ernst Groß sind echte Macher auf der Strecke zwischen Schein und Sein, die emsig Dinge mit ihren Vehikeln auf Anhängern oder auf Dachgepäckträgern transportieren. Form und Funktion dieser Komposition stimmen aber nicht überein. Die Exklusivität und Windschnittigkeit der Karosse wird durch das Anhängsel ad absurdum geführt, die Boliden förmlich ausgebremst. Es ist diese Schnittstelle zwischen Wunsch und Wirklichkeit, die hier zur Selbstreflektion einlädt und den Betrachter auf humorvolle Weise mit Widersprüchen der Lebenswirklichkeit konfrontiert.